Jahrbuch "Politisches Denken 2004" [Zurück zur Übersicht]
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Im Spannungsfeld zwischen politischer Wissenschaft, Jurisprudenz und Philosophie übernimmt das Jahrbuch Politisches Denken nunmehr seit 15 Jahren die Aufgaben einer bis weit in die einzelnen Fächer hineinreichenden Vermittlung. Der Begriff des "Politischen Denkens" ist bewusst weit angelegt, um sowohl Probleme der Theoriebildung als auch einer reflektierten Praxis aufzunehmen. Durch die groß angelegte Geschichte der politischen Philosophie, die der Mitherausgeber des Jahrbuchs, Henning Ottmann (München), unter den Titel Politisches Denken gestellt hat, ist die historische Reichweite dieses Begriffs inzwischen für die gesamte Antike und das Mittelalter ausgewiesen. In den noch folgenden Bänden wird deutlich werden, dass der Begriff in einzigartiger Weise Theoriebildung und die unter theoretischen Ansprüchen stehende politische Praxis umfasst.
Der neue Band des Politischen Jahrbuchs spannt einen Bogen von Platons anthropologischer und ethischer Begründung der Politik über die Hobbes-Rezeption in Deutschland, einer Erinnerung an Samuel Pufendorf bis hin zu einer Erörterung der Theorieansätze an Helmuth Plessner und Michael Oakeshott. Weitere Themen sind der Freiheitsbegriff der Aufklärung und die Lügen in den Zeiten des Kommunismus sowie ein Beitrag zur Strafrechtstheorie im frühneuzeitlichen Naturrecht. Daneben finden sich Rezensionen sowie Nachrufe auf Norberto Bobbio und Ernst Vollrath.
Mit dem neuen Verlagsort Berlin werden die Verbindungen des Jahrbuchs Politisches Denken zur parlamentarischen Praxis in der Bundesrepublik Deutschland enger geknüpft. Die Herausgeber sind bemüht, die strategische Diskussion der politischen Parteien kritisch zu begleiten und auf die großen Programmfragen der sozialen Demokratie in Deutschland mit analytischen Mitteln einzugehen. Dabei kommen auch die Praktiker zu Wort, die in der politischen Arbeit Theorieanstöße geben.
Das "Jahrbuch Politisches Denken" ist bis zum Jahr 2003 im J. B. Metzler Verlag erschienen. Mit dem vorliegenden Jahrbuch 2004 ist diese Publikation in den Verlag Duncker & Humblot, Berlin, überführt worden.


Inhalt
V. Gerhardt, Vorwort

I. Aufsätze:
W. H. Pleger, Die geteilte Seele. Zum Verhältnis von Anthropologie und Ethik bei Platon
H. Williams / M. Wischke, Zwischen Widerstandsrecht und starkem Staat. Ein Beitrag zur deutschen Rezeptionsgeschichte von Hobbes
D. Hüning, Is not the power to punish essentially a power that pertains to the state? The Different Foundations of the Right to Punish in Early Modern Natural Law Doctrines - H. Denzer, Samuel Pufendorf, ein vergessener Klassiker des Naturrechts
O. Asbach, Die Konstitution politischer Freiheit. Grundlagen, Probleme und Aktualität der politischen Theorie der Aufklärung
L. R. Waas, Natürliches Recht in positivierter Gestalt, das sich aus Pflichten herleitet? Von der Paradoxie der Menschenrechte
S. Dietzsch, Vom Lügen; in Zeiten des Kommunismus
K. Haucke, Zukunft durch Verspätung. Helmuth Plessners Vision eines deutschen Beitrages zum politischen Humanismus Westeuropas
M. Henkel, Vom Sinn einer philosophischen Theorie der Politik. Bemerkungen zum Theoriebegriff bei Hans Buchheim und Michael Oakeshott

II. Nachrufe: H. Ottmann, Vom Nutzen und Nachteil der Philosophie für die Politik. Laudatio auf Norberto Bobbio zur Verleihung des Hegel-Preises der Stadt Stuttgart - H.-G. Schmitz, Zum Tode von Ernst Vollrath

Rezensionen: Dorothee Kimmich / Alexander Thumfart (Hg.), Universität ohne Zukunft? (R. Mehring) - Georg Meggle (Hg.), Terror & Krieg gegen ihn. Öffentliche Reflexionen (U. Steinhoff) - Hans-Joachim Pieper (Hg.), Hat er aber gemordet, so muß er sterben. Klassiker der Philosophie zur Todesstrafe (H. Wittwer).