Jahrbuch "Politisches Denken 2006/07" [Zurück zur Übersicht]
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Zwischen Politik und Ökonomie bestehen enge, aber auch spannungsreiche Wechselbeziehungen. Einerseits bedingen sie einander, da die institutionelle Rahmenordnung der Ökonomie politischer Regelung bedarf und der Spielraum der Politik von ökonomischen Gegebenheiten abhängt. Andererseits geraten sie in Konflikt, wenn die Politik die Eigendynamik einer funktionsfähigen ökonomischen Ordnung konterkariert oder die Ökonomie die Funktionsbedingungen einer dem Gemeinwohl verpflichteten politischen Ordnung untergräbt. Die Autoren wollen das schwierige Verhältnis von Politik und Ökonomie aus verschiedenen Perspektiven beleuchten. Ihre Beiträge gliedern sich in vier Themengruppen.
Die erste Gruppe hat ganz grundlegende Fragen zum Gegenstand: die Begriffe und allgemeinen Systemeigenschaften von Politik und Ökonomie, deren historische Entwicklung in der Neuzeit sowie die Logiken politischen und ökonomischen Handelns. Die zweite Themengruppe behandelt die Differenzen und Interdependenzen zwischen Politik und Ökonomie: die Wechselwirkungen und Reibungsflächen zwischen Markt und Politik, die Funktionsbereiche und Grenzen von Politik und Ökonomie sowie die sozialmoralischen Voraussetzungen der Marktökonomie. Die dritte Gruppe von Beiträgen diskutiert methodische Probleme der Wissenschaften von Politik und Ökonomie: die Rolle von Effizienz und Gerechtigkeit in der ökonomischen Theorie, die Schwierigkeiten einer ökonomischen Modellierung des politischen Parteienwettbewerbs und das Unterfangen einer ökonomischen Begründung der Moral. Die vierte Gruppe ist aktuellen und drängenden Fragen der Gegenwart gewidmet: ob die wachsenden Handelsverflechtungen zum Weltfrieden beitragen, wie die Globalisierung konzipiert werden sollte, um den Weg zu einer angemessenen Institutionalisierung transnationaler Politik zu weisen, und welche Instrumente es gibt, um die sich der nationalstaatlichen Politik zunehmend entziehende Eigendynamik der globalen Ökonomie politisch zu domestizieren.


Inhalt
I. Aufsätze: Politik und Ökonomie. Ein schwieriges Verhältnis: Einleitung - Begriffe und Funktionen von Politik und Ökonomie:
P. Koller, Politik und Ökonomie: Begriffe und Systeme
T. Simon, Wie die Ökonomie die Politik übermannt hat. Politik und Ökonomie als frühneuzeitliche Handlungslehren
J. Nida-Rümelin, Zur Logik ökonomischen und politischen Handelns

Differenzen und Interdependenzen zwischen Politik und Ökonomie:
R. Zintl, Das Verhältnis von Markt und Politik
R. Sturn, Zur Politischen Ökonomie der Beziehung zwischen Politik und Ökonomie
M. Baurmann, Markt und Soziales Kapital: Making Democracy Work

Methodische Fragen der Wissenschaften von Politik und Ökonomie:
H. G. Nutzinger, Effizienz und Gerechtigkeit als wirtschaftspolitische Leitideen
M. Prisching, Ökonomie und Politik, Wissenschaft und Wirklichkeit. Einige methodologische Betrachtungen
B. Zehnpfennig, Der ökonomische Imperialismus: die endgültige Lösung des Problems individueller und gesellschaftlicher Moral?

Aktuelle Entwicklungen und Probleme von Politik und Ökonomie:
H. Hansen, Schafft Handel Frieden? Politik und Ökonomie in der Globalisierung
I. Pies, Markt versus Staat? Über Denk- und Handlungsblockaden in Zeiten der Globalisierung
M. Zürn, Die Politisierung der Ökonomisierung? Zum gegenwärtigen Verhältnis von Politik und Ökonomie

II. Rezension: H. Münkler, Gerhard Paul, Bilder des Krieges - Krieg der Bilder. Die Visualisierung des modernen Krieges, Ferdinand Schöningh - Wilhelm Fink, Paderborn/München 2004, 527 S.

III. Nachruf: H. Ottmann, Karl Graf Ballestrem (1939-2007).