Jahrbuch "Politisches Denken 2009" [zurück zur Übersicht]
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Zwanzig Jahre nach der friedlichen Revolution in der DDR gibt es eine verbreitete Tendenz zur Verklärung der SED-Diktatur. Diese Haltung ist in ihrer Wirkung auf die politische Kultur in Deutschland bedenklich, denn ein Land, das Unrecht nicht beim Namen nennt, wird sich schwer tun, Rechtsstaatlichkeit und eine Ethik der Demokratie zu entwickeln.

Die Aufarbeitung der totalitären Erfahrung beeinflusst die politische Kultur; zugleich setzt der offene Umgang mit dem geschehenen Unrecht ein bestimmtes Rechts- und Werteverständnis der Bürger voraus. Die Autorinnen und Autoren des vorliegenden Bandes untersuchen die vielfältigen Bezüge zwischen der Aufarbeitung der Vergangenheit und der politischen Kultur. Die Beiträge beruhen auf Vorträgen, die im Rahmen einer Tagung der Deutschen Gesellschaft zur Erforschung des politischen Denkens und der Stiftung Ettersberg (Weimar, September 2008) gehalten wurden.

Inhalt
H.-J. Veen, Vorwort
H. Hansen, Einleitung. Die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit und das Rechts- und Werteverständnis im wiedervereinigten Deutschland

I. Das Konzept der Politischen Kultur im Kontext der Aufarbeitungsdiskussion:
F. Klier, Die DDR in mildem Licht. Eröffnungsvortrag der Weimarer Tagung "Aufarbeitung totalitärer Erfahrungen und politische Kultur"
B. Schwelling, Aufarbeitung der Vergangenheit und Politische Kultur. Zur Bedeutung und zum Zusammenhang zweier Konzepte
H. Oberreuter, Normative Maßstäbe diktaturgeschichtlicher Aufarbeitung

II. Die vergleichende Perspektive:
H.-U. Thamer, Der Umgang mit dem Nationalsozialismus und die politische Kultur in der Bundesrepublik der Nachkriegszeit
R. Eckert, Die Auseinandersetzung mit der kommunistischen deutschen Diktatur und die politische Kultur der Bundesrepublik
K. Ziemer, Aufarbeitung und politische Kultur in Polen
T. Stark, Fighting for the Past in Hungary

III. Politische Akteure und Justiz im Aufarbeitungsprozess:
M. Birthler, Die Bedeutung der BStU für die politische Kultur in Deutschland
I.-S. Kowalczuk, Parlamentarisch verordnete Aufarbeitung? Die Enquete-Kommissionen des Deutschen Bundestages "Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland" und "Überwindung der Folgen der SED-Diktatur im Prozess der deutschen Einheit"
O. W. Lembcke, Rehabilitierung politisch Verfolgter in der DDR. Politisches Programm und Praxis des Rechts
F. Dencker, Strafrechtliche Aufarbeitung des DDR-Unrechts und Rechtskultur
P. Armbrust, Die politische und rechtliche Behandlung der Enteignungen in der Sowjetischen Besatzungszone 1945 bis 1949 nach der Wiedervereinigung

IV. Politikwissenschaft, totalitäre Erfahrung und politische Kultur:
E. Jesse, Zweierlei Vergangenheitsbewältigung, politische Kultur und Wissenschaft. Drittes Reich und DDR
B. Zehnpfennig, Die Aufarbeitung der totalitären Erfahrung als Aufgabe der politischen Philosophie

Rezensionen: H. Hansen, Andreas Gatzemann: Die Erziehung zum "neuen" Menschen im Jugendwerkhof Torgau. Ein Beitrag zum kulturellen Gedächtnis, Münster 2008 - P. Kainz, Ilko-Sascha Kowalczuk: Endspiel. Die Revolution von 1989 in der DDR, München 2009 - B. Zehnpfennig, Christoph Horn / Ada Neschke-Hentschke (Hrsg.): Politischer Aristotelismus. Die Rezeption der aristotelischen "Politik" von der Antike bis zum 19. Jahrhundert, Stuttgart / Weimar 2008 - P. Kainz, Martin Kaluza: Der Kitt der Gemeinschaft. Über die Funktion von Gerechtigkeit, Paderborn 2008 - C. Werthmann, Winfried Brugger: Das anthropologische Kreuz der Entscheidung in Politik und Recht, Studien zur Rechtsphilosophie und Rechtstheorie Band 40, Baden-Baden 2008 (2. Auflage) - C. Werthmann, Hans Joas / Matthias Jung (Hg.): Über das anthropologische Kreuz der Entscheidung, Studien zur Rechtsphilosophie und Rechtstheorie Band 50, Baden-Baden 2008.